Das Dickicht meines Waldes

Die 12 Stufen des Erwachens
9. Februar 2015

Dies ist ein Gefühl in Textform, welches ich vor Jahren zu Papier gebracht habe und euch heute gerne zur Verfügung stellen möchte. Möge es auch dir helfen, Licht in deinen Wald zu bringen ;o)

Der Wald zeigt sich im Unterbewusstsein sehr oft symbolisch für alles, was in uns im Laufe der Jahre über den Kopf „gewachsen ist“. Doch das wusste ich damals, als ich diese Geschichte schreib noch nicht. Allerdings ging es mir zu dieser Zeit sehr, sehr miserabel und ich weiß heute genau, warum ich eben diese Bilder bekam 😉

Ich stehe in einem großen, dunkeln Wald. Der Boden ist bedeckt mit unzähligen Tannennadeln und ich sehe vereinzelte Lichtstrahlen durch die hohen Tannenwipfel scheinen. Große Tannen, dunkle Tannen die mir Angst machen und die mich doch auch schützen. Solange ich mich in diesem Wald aufhalte, kann ich mich verstecken und keiner findet mich. 09_oHier in diesem Wald kenne ich mich aus, denn er ist mein Zuhause geworden. Ich kenne jeden Baum und jeden Busch, jeden Ameisenhügel und weiß genau, wie sich der Boden unter meinen nackten Füßen anfühlt.
An einigen Stellen in meinem Wald habe ich es mir gemütlich eingerichtet und habe mir Bereiche geschaffen, an denen ich mich geschützt und geborgen fühle. Wenn ich hier auf dem weichen Moosboden sitze und meine großen, mächtigen Freunde die Tannen ansehe, weiß ich, dass jede von ihnen durch ein bestimmtes Thema gewachsen ist. Jede meiner Freunde steht für ein eigenes Thema und doch sind sie alle nicht nur über ihre Wurzeln miteinander verbunden.

Als ich jünger war, gab es hier nur einige kleine Bäume und Büsche – die Lichtung war hell und die Sonne hatte keine Mühe bis auf den Boden vorzudringen, doch mit der Zeit wuchsen die kleinen Bäume zu mächtigen Tannen heran und die kleinen Büsche verschwanden durch zu wenig Sonnenlicht. Nach und nach begannen immer mehr Tannenzapfen zu Boden und fallen wodurch neue Bäume wachsen und gedeihen konnten. Aus ein paar kleinen „Themen“ wurden immer mehr und immer größere „Themen“, die mir nun langsam aber sicher das Licht und die Luft zum Atmen rauben.
Wenn ich mir meine Bäume so betrachte, stelle ich fest, dass der Boden des Waldes kaum noch Platz für neue Bäume bietet und mir fällt auf, dass sich hier keine Vögel oder andere Tiere aufhalten.

Oftmals sitze ich an meinen Lieblingsplatz, einer kleinen etwas erhöhten Lichtung, auf der noch keine Tannen gewachsen sind und auf die noch wunderschöne warme Sonnenstrahlen treffen. Hier kann ich mich auf den Rücken legen und meinen Blick nach oben zu den vorbeiziehenden Wolken richten. Hier spüre ich Wärme und ein gewisses Gefühl des Friedens. Hier geht es mir gut und den Wald um mich herum empfinde ich als Schutz und Sicherheit.

Doch manchmal macht er mir auch große Angst. Manchmal, wenn die Sonne sich verfinstert und die Wolken über meinem Kopf immer dunkler und dunkler zu werden scheinen, dann beginnen die Tannen sich zu biegen und Geräusche von sich zu geben. Die Tannen beginnen zu ächzen und zu stöhnen und sich im aufkommenden Wind zu krümmen. Ich laufe barfuß und ziellos durch den dunklen Wald und finde nirgends eine Zuflucht und erst in diesen Situationen erkenne ich, dass mein Wald mir eine unheimliche Angst macht.

Moon night in forest (collage)Meine Angst und Verzweiflung nimmt mit jedem Baum zu, der laut Töne von sich gibt und der mir die Geschichte seines Lebens und seiner Entstehung erzählt. Viele der Tannen sind aus Zurückweisung und Einsamkeit entstanden und wenn ich mich bei ihnen aufhalte, dann erlebe ich ihre Tragödien immer und immer wieder. Sie schreien ihre Geschichten auf mich herab und ächzen und stöhnen dabei, während sie sich im Sturme biegen und ich habe Angst, dass sie dem Sturm nicht standhalten und über mir zerbrechen.

Ich fühle mit jeder Faser meines Seins ihre Einsamkeit und ihre Angst. Ich kann erkennen, wodurch sie so viel Nahrung bekommen haben und möchte nur noch weglaufen – vor ihnen fliehen. Ich hechte weiter durch den Wald auf der Suche nach einem geschützten Fleckchen Erde, auf dem ich mich endlich ausruhen kann, doch ich erreiche meine Bäume die durch die Kritik und die Macht von Außen entstanden sind und diese machen mir noch viel mehr Angst. Ich schrumpfe in ihrer Gegenwart und kann immer weniger atmen. Alles um mich herum ist dunkel und der Wind heult mir um die Ohren. Die Bäume biegen sich im Sturm und Tannenzapfen prasseln wie Worte auf mich nieder. Ohnmacht erfüllt mich während fürchterliche Sätze auf mich nieder regnen – ohne Rücksicht darauf, wie sehr sie mich treffen und verletzen. Blut rinnt meinen Körper hinunter, während sie mit ihrer gesammelten Kraft auf mich eindröhnen, ich kann mich kaum noch bewegen und versuche mit letzter Kraft vor dieser entsetzlichen Situation zu fliehen. Doch meine Flucht führt mich nur tiefer in den Wald, zu den Bäumen der Selbstkritik und des Selbsthasses. Sie erzählen mir genau, was alles an mir nicht richtig ist und warum ich schuld bin an dem gesamten Leid, welches sich hier im Wald versammelt hat. Sie erzählen mir wie unfähig ich doch in all dem bin was mir wichtig ist und wie wenig ich doch bei meinen Versuchen richtig mache. Sie schreien auf mich ein, welch egoistischer Mensch ich bin und warum ich den Menschen um mich herum nicht das gebe, was sie doch so dringend brauchen. Es regnet Beschimpfungen und Hasstiraden herunter, während die Tannen im Sturm ihre gesammelte Kraft und Kälte entladen.

Oh lieber GOTT wo soll ich denn nur hin? Wohin kann ich fliehen, wo finde ich Halt und Schutz vor mit selbst? Ich fühle mich wie ein von der Meute gehetztes Tier, ringe nach Atem und laufe schreiend durch die Nacht, so als könnten meine Schreie den Lärm um mich herum zum Verstummen oder zur Nachsicht bewegen …. doch mein Wald zeigt keine Nachsicht mit mir! Wohin ich auch laufe … wohin ich auch zu flüchten versuche, es gibt vor ihm kein Versteck und er gibt mir keinen Schutz, sondern er hat sich komplett gegen mich gerichtet und zeigt mit sein wahres Gesicht in welches ich nun schauen muss.

Erschöpft sinke ich zu Boden und vergrabe mein Gesicht in meinen Händen. Blut rinnt mir aus den Ohren und mein Hals tut weh. Ich mag nichts mehr hören und habe keine Schreie mehr übrig. Alles habe ich versucht und mir bleibt nichts anderes mehr übrig, als mich meinem Wald zu ergeben und auf das Ende des Sturmes zu warten, der hoffentlich bald eintritt.

Oh wie sehr sehne ich mich nach meiner kleinen Lichtung, auf der mich die wenigen Sonnenstrahlen erreichen, die mein Wald noch durchlässt.

In ein paar Jahren wird es auch meine kleine Lichtung nicht mehr geben. Sie wird den Tannen Platz gemacht haben und mein letzter Zufluchtsort wird verschwunden sein.

Mein Leben lang bin ich den Tannen ausgewichen, bin vor ihnen weggelaufen, wenn sie mir ihr wahres Gesicht zeigten, oder habe mich bei ihnen versteckt, wenn die Sonne schien. Mein Wald war mir wichtig, denn ich hatte Angst vor dem „Draußen“. Ich hatte Angst davor, ohne Wald zu leben und dann kein Versteck mehr zu haben, in das ich mich flüchten kann, weil ich es so gut kenne.

Während ich hier mit meinem geschundenen Körper so auf dem Waldboden sitze und der Sturm langsam nachlässt, wird mir einiges klar.

Ich kann erkennen, dass meine Tannen lauter und lauter wurden, je mehr Angst ich vor ihnen hatte und dass sie um so bedrohlicher wurden, je mehr ich versuchte vor ihnen zu fliehen. Ich erkenne die Größe meines Waldes, da ich nie etwas anderes gegen seine Wucherung und Ausbreitung unternommen habe als zu fliehen. Ich habe mich niemals hingesetzt und meinen Bäumen zugehört, als sie mir ihr Leid zu klagen versuchten – nein ich habe das Gegenteil getan und bin ihnen davongelaufen und habe ihnen kein Gehör geschenkt! Wenn das Wetter schön war und die Sonne schien, befand ich mich auf meiner Lichtung, statt mich zu ihnen zu setzten und mich mit ihnen über ihre Traurigkeit zu unterhalten. Ich habe mich lieber um andere Menschen und deren Probleme gekümmert, um für mich einen Grund zu haben, mich nicht mit ihnen auseinandersetzen zu müssen. Ich habe mich auch oftmals in Oberflächlichkeiten geflüchtet, nur um nicht hin sehen zu müssen.

Ja, ich muss erkennen, dass ich den einfachen Weg gegangen bin mit all den Prägungen in mir umzugehen. Den Weg des Wegsehens und des Vermeidens.

Ist es denn ein Wunder, dass meine Bäume aufschreien und mir ihre Schmerzen ins Gesicht donnern müssen, wenn ich ihnen keine andere Möglichkeit lasse es aus sich heraus zu bringen?

Sind sie nicht genauso verwundet wie ich es bin und haben im Gegensatz zu mir noch nicht einmal die Möglichkeit vor sich selbst zu fliehen? Brauchen sie nicht genauso wie ich ein Ohr, welches sich ihren Schmerz anhört und sie einfach trotzdem liebt und versteht?

Werden sie denn nur so bedrohlich, verletzend und hart, weil ich ihnen keine Möglichkeit gebe sich auf andere Weise bemerkbar zu machen?

Viele Fragen tauchen in mir auf und ich werde langsam immer ruhiger und ruhiger.

Ich werde mich um meinen Wald kümmern, denn ich erkenne langsam, dass jeder meiner Bäume ein wichtiger Teil von mir ist, dem ich bislang erfolgreich ausgewichen bin. Wenn ich es schaffe, meine Bäume anzusehen und ihre Gefühle anzunehmen, werden sie sich nicht mehr so lautstark bemerkbar machen müssen und sie werden sich geliebt und gesehen fühlen können und vielleicht werden sie dann auch ihre Gestalt verändern und zu einem kleinen grünen Busch werden können? Vielleicht darf ich es mir dann auch erlauben, dass mein großer Freund der Wald sich mehr und mehr lichtet und ich dadurch meine Angst vor der Außenwelt verliere? Ja vielleicht, …. wenn ich den Mut dazu finde meine alten Gewohnheiten zu durchbrechen und auch bei Sonnenschein den Schmerz meiner Bäume zu beachten.

Langsam erhebe ich mich von meinem Waldboden und spüre meinen Körper mehr und mehr. Wenn ich an mir herunter blicke, kann ich die Spuren dieses gewaltigen inneren Kampfes deutlich sehen und fühlen. Ein Kampf den es nicht hätte geben müssen, wenn ich mich zu meinen Bäumen bekannt hätte und auch ihren eigenen Schmerz zu sehen bereit gewesen wäre, statt nur ihren Schutz.

Langsam, Schritt für Schritt bewege ich mich auf meinen mir bekannten Pfaden zurück zu meiner kleinen Lichtung und bei jedem Schritt wird mir das menschliche Dilemma in dem wir uns fast alle befinden immer deutlicher.

Ein jeder von uns lebt in solch einem Wald, seinem ganz persönlichen Wald der sich über ein Leben lang gebildet hat. Jede große, dunkle Tanne war einmal ein kleines Samenkorn welches durch den Dünger der Nichtbeachtung und der Verdrängung langsam aber sicher immer größer und größer wurde und nachdem sie eine gewisse Reife erlangt hatte, weitere Samen zur Erde schicken konnte. Unser Unterbewusstsein kann zu einem riesigen, undurchdringlichen Dickicht werden, welches sich von Zeit zu Zeit verzweifelt um Erleichterung bemüht, indem es uns mit seinen innewohnenden Gefühlen bombardiert. Auslöser für diese aufziehenden Stürme gibt es viele, ob unsere Außenwelt uns einen Spiegel unserer Themen vorhält oder unsere Seele einen Fingerzeig  entstehen lässt, das Ergebnis ist immer das gleiche.

Ich sitze nun hier auf meinem weichen Moosboden der mir Trost spendet und erkenne, dass ich wohl meine gewohnten Pfade verlassen muss um etwas an meinem Wald zu verändern – um etwas an meinem LEBEN zu verändern, wenn ich ohne Angst vor dem nächsten Sturm wirklich GLÜCKLICH sein möchte.

 

Ein Leben WIRKLICH zu leben bedeutet für mich Grenzen zu sprengen. Aus der dicken Nebelsuppe meines Egos hinauszutreten …. und die grenzenlose WAHRHEIT DAHINTER zu erleben.
Im Nebel ist man blind und taub, doch DAHINTER öffnet sich ALLES!

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